SKILL 2015: Keynote am Donnerstag

Prof. Dr. Sebastian Lehnhoff: Energieinformatik – ein Profil mit Zukunft

lehnhoff

Abstract

Eine der größten technologischen und politischen Herausforderungen insbesondere für Deutschland ist die so genannte Energiewende: eine verlässliche, ökonomisch und ökologisch vertretbare Energieversorgung auf Basis eines technischen – maßgeblich IKT-geprägten – Systems zur Einbindung einer Vielzahl schwer zu prognostizierender, fluktuierend einspeisender Erzeuger, Verbraucher, Speicher und Netzkomponenten in ein technisch stabiles und finanziell tragfähiges Gesamtsystem (Smart Grid).

Auf den „ersten Blick“ geht es in Smart Grids um die kommunikative Vernetzung relevanter Akteure (Erzeuger, Verbraucher, Netzbetriebsmittel etc.) zur Optimierung und Überwachung dieser so miteinander verbundenen Teile zur Realisierung eines effizienten und zuverlässigen Systembetriebs, wobei nun eine zunehmende Zahl dezentraler, regenerativer Erzeuger (vor allem Photovoltaik, Windenergie, Biomasse) eingebunden werden muss. Das Problem ist aber erheblich „schwieriger“ denn erst eine integrierte Betrachtung sämtlicher Einflussfaktoren, wie etwa Nutzerakzeptanz, CO2-Emissionen oder Sicherheit dieses soziotechnischen Systems im Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit, Zuverlässigkeit und ökologischer Nachhaltigkeit kann praktisch umsetzbare Lösungen hervorbringen, welche die komplexen Wirkzusammenhänge hinreichend berücksichtigen.

Energieinformatik liefert hierfür nicht nur die „Systemintelligenz“ – Algorithmen zur adaptiven Steuerung und kontinuierlichen dynamischen Optimierung des komplexen und sehr umfangreichen (europäischen) Stromversorgungssystems – sondern stellt auch die Methoden bereit, „Gesamtsystemkompetenz“ zu schaffen und zu orchestrieren (Komplexitätsbeherrschung durch Dekomposition und Abstraktion, Identifikation von und Fokussierung auf verallgemeinerbare Prinzipien, Suchen von Entkopplungspunkten für effektive Governance, Vermeidung von Bottlenecks etc.). Informatik als Strukturwissenschaft vermittelt die wesentlichen Kernkompetenzen, um dieser Mammutaufgabe gerecht zu werden.

Referent

Prof. Dr. Sebastian Lehnhoff
Juniorprofessur Energieinformatik
OFFIS – Institut für Informatik
Escherweg 2
26121 Oldenburg

Vita

Sebastian Lehnhoff studierte Informatik an der Technischen Universität Dortmund und promovierte im Frühjahr 2010 am Lehrstuhl für Betriebssysteme und Rechnerarchitektur. Seine Dissertation ist als Lehrbuch unter dem Titel „Dezentrales vernetztes Energiemanagement“ im Vieweg-Teubner-Verlag erschienen. Seit Mitte 2010 ist er Juniorprofessor für Energieinformatik an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg und als Bereichsvorstand im FuE-Bereich Energie am OFFIS – Institut für Informatik tätig. Hier beschäftigt er sich mit Forschungsthemen im Umfeld intelligenter Energiesysteme, sog. Smart Grids. Schwerpunkte sind echtzeitfähige Methoden für sicherheitskritische Anwendungen in elektrischen Energiesystemen, netzorientierte dezentrale Betriebsführung sowie die Co-Simulation komplexer Energiesysteme.

Prof. Lehnhoff ist Sprecher der GI-Fachgruppe Energieinformationssysteme (WI-EINS), Honorary Fellow der School of Information Technology and Electrical Engineering der University of Queensland (Australien), Junior-Fellow des Hanse Wissenschaftskollegs (HWK) und aktiv in einer Vielzahl Gremien, Arbeitskreisen und Fachgruppen, die sich inhaltlich mit verwandten Themen beschäftigen.

Präsentationsfolien

  • werden im Anschluss an die Veranstaltung veröffentlicht